Autor: Laura Goudkamp

Constructive Journalism

Weltspiegel Digital:

Constructive Journalism in Corona-Zeiten

Das Corona-Virus hat den (Redaktions-)Alltag stark verändert – auch im Bereich Social Media. Für die Geschichten der ARD-AuslandskorrespondentInnen unter der Marke Weltspiegel verfolgen wir auf den digitalen Kanälen einen konstruktiven Ansatz – mit großem Erfolg. 

 

Eine Stunde im Mob

München, wir müssen reden. Vorgestern habe ich Dich erlebt, wie ich Dich nie erleben wollte. Meine Ohren klingeln, Schwaden von Hasstiraden liegen noch in der Luft …

Es fing alles ganz harmlos an: Wahlkampfveranstaltung von Angela Merkel auf dem Marienplatz. Viel Polizei, viel Security, Sicherheitsstufe 1 – weil Kanzlerin in Town. Um 18.30 Uhr findet eine Gegenveranstaltung der AfD am Rindermarkt statt: Ein Transporter mit Frauke Petrys Konterfei und „Mut zu Deutschland“- Slogan, ein blauer Pavillon wird aufgebaut. Eine kleine Traube von Menschen bildet sich um das Rednerpult – vielleicht 30 Leute, vielleicht auch 40 Leute. Deutlich weniger als ich erwartet habe. Ich bin als Journalistin mit einem Kamera-Team vor Ort. Wir wollen beide Veranstaltungen, die von der Union und die der AfD kurz vor der Wahl begleiten. Ein Mann hält ein Schild in die Luft. Es zeigt Frauen in Niqabs mit Merkel-Raute. Dahinter eine Männerfigur mit Gewehr und dem Schriftzug „Wir schaffen Euch“. Puh. Harter Tobak. Am Rednerpult sprechen die Landeslisten-Kandidaten der AfD für Bayern. Kurzversion: „Flüchtlinge raus“ – „Merkel weg“ – „AfD rein“. Plötzlich baut sich eine kleine zierliche Frau vor dem Rednerpult auf. In ein aufgeklapptes Schulheft hat sie geschrieben: „Eingewandert – Asyl – studiert – promoviert – zahle Spitzensteuersatz – auch für Dich!“. Sie hält es dem Redner vor die Nase – ihre Augen entschlossen auf den Redenden gerichtet, die Hände zitternd (Video hier). Ohne Gewalt, aber doch bestimmt, wird sie schließlich von AfD-Anhängern an den Rand geführt. Immer wieder hört man vereinzelt „Nazi raus“- Rufe während der Veranstaltung.

Noch zehn Minuten bis Kanzlerin Merkel 300 Meter weiter am Marienplatz auftritt. Ein AfD-Redner ruft auf, Merkel nicht auszupfeifen – das wäre nicht der Stil der AfD. Er klingt spöttisch. Aber schließlich sind diverse Kameras auf ihn gerichtet. Ein direkter Aufruf zum Stören wäre dokumentiert. Dass es ganz anders kommen wird, weiß er zu diesem Zeitpunkt wahrscheinlich schon. Ich nicht.

Dann ist es so weit: Angela Merkel betritt die Bühne. Roter Blazer. Merkel-Raute. Los geht’s mit der Rede: Schön ist es in Bayern – setzt sie an. Dann versteht man nichts mehr. Um mich herum werden die Trillerpfeifen ausgepackt. „Volksverräter“, „Merkel muss weg“, „Hau ab!“ brüllen die Menschen. Eigentlich ist es heute Abend herbstlich warm, aber die Temperatur fällt jetzt um mindestens 10 Grad – Willkommenskultur am Ende.

Ich bin überrascht, überrumpelt. So fühlt es sich also an in einem Mob zu stehen, der schäumt. Ich suche schon nach der ersten Mistgabel in der Menge.

Die Stimmung: aggressiv. Ich schaue mich in der Menschenmenge um – ich sehe keinen Protest, ich sehe blanken Hass in den Augen, in den Gesichtern der Menschen, bewaffnet mit Trillerpfeifen und Plakaten „Tomaten für Merkel“, „Volksverräterin“ „Durch diese Hand kam der Terror ins Land“. Ich kann es nicht fassen – nach Hessen, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen jetzt auch hier in Bayern – in München? Eine Touristin fragt mich „Why is there so much hate?“ Ich zucke mit den Schultern. Ich weiß es nicht, ich würde es aber gern verstehen.

Wenn ich mir die Plakate anschaue, dann ist das Hauptproblem für die Leute hier die Flüchtlingsfrage. In Bayern sprechen wir von ca. 156.000 anerkannten, abgelehnten und im Verfahren befindliche Asylbewerbern (Stand 29. Februar 2016) bei 12,4 Millionen Einwohnern in Bayern – umgerechnet also 1,26 Prozent (!). Das ist das Problem? Im Vergleich zum Vorjahr ist die Zahl an neu ankommenden Geflüchteten 2017 übrigens deutlich gesunken. Auch die Behauptung, dass in Bayern die Zahl der Vergewaltigungen, die von Zuwanderern verübt worden sei, deutlich angestiegen ist, musste der Innenminister vor einigen Tagen korrigieren. Das Land wohlhabend, die Arbeitslosenquote liegt bei 3 Prozent. Zahlen und Argumente prallen an den Menschen hier aber einfach ab. Ich versuche einen älteren Herrn mit Schirmmützen neben mir zu fragen: „Warum sind Sie so wütend?“ Er zeigt mir den Mittelfinger.

Ist das hier wirklich eine Minderheit, die sich vor allem von der AfD und Pegida mobilisieren lässt und einfach sehr laut ist?Aber was ist dann mit der Mehrheit? Wo ist die Mehrheit? Beziehungsweise: Warum geht nicht wenigstens eine Minderheit der Mehrheit hier auf die Straße und bietet den Störern die Stirn? Ein paar Wenige stehen in der Menge, schreien und pfeifen nicht, sondern verfolgen nur, was hier passiert und sind wie gelähmt. Wie ich.Mein Kamera-Team habe ich längst verloren. Später wird mir mein Kollege erzählen, dass sie eingekreist worden sind, verfolgt mit „Lügenpresse“-Rufen und Trillerpfeifen. So nah an den Ohren, dass es weh tut. Man könnte auch sagen: Körperverletzung.

Merkel spricht vorne weiter: „Mit Pfeifen und mit Brüllen wird man die Zukunft Deutschlands nicht gestalten” – sie muss selber fast schreien. Am Ende der Veranstaltung wird dann noch feierlich die Bayern- und die Deutschlandhymne angestimmt. Es will nicht passen. Immer wieder wird die Melodie zerrissen von „Buh“-Rufen und dem Wort „Volksverräter“. Ich habe mich inzwischen nach hinten fallen lassen. Raus aus dem Trillerpfeifen-Getöse. An der Wand lehnend beobachte ich ein Pärchen. Sie drückt seine Hand fest an sich. „Was passiert hier?“. Ja, gute Frage! Was passiert hier, München – Bayern – Deutschland?

Horror vor der Haustür

„Bist du im OEZ ?!!!“ kommt die Frage einer Freundin auf WhatsApp. Es ist kurz nach sechs Uhr Abends. Ich wundere mich über die Ausrufezeichen und schreibe nicht gleich zurück. Die nächste Nachricht „Hallo???“. „Nein! War doch zu faul!“, schreibe ich zurück. Eigentlich wollte ich heute zum Apple Store im OEZ und meine kaputten Kopfhörer umtauschen, aber ich war schlicht zu faul. „Gott sei Dank!“ Ich schaue verwirrt auf mein Handy. Meine Freundin ruft an. Sie ist aufgeregt, ihre Stimme überschlägt sich fast. „Schießerei im OEZ! Anscheinend Tote und Verletzte!“ ruft sie ins Telefon.

Mutmaßliche Fotos von Opfern und Tätern, was soll das?

Auf Twitter überschlagen sich die Nachrichten. Ein Terroranschlag? Ein Täter? Mehrere Täter? Jihadisten? Nationalisten? Mein Handy klingelt ununterbrochen. In meinem WhatsApp-Gruppen steht „Geht’s Euch allen gut? Seid ihr safe?“ Es werden Fotos und Videos herumgeschickt, auf denen vermeintliche Opfer tot auf dem Boden liegen. Fotos von den vermeintlichen Tätern. „Was soll das?“, schreibe ich. „Wieso schickt ihr das rum? Geht nach Hause, weg von der Straße!“ Die Stimmung ist irgendwo zwischen Bestürzung und Sensationsgeilheit.

Laute Sirenen von Polizeiautos und Krankenwägen zerreißen die ruhige Abendstimmung in Schwabing. Die nächsten Stunden sitze ich auf dem Balkon und starre auf meinen Laptop. Mehrere Tabs geöffnet. Auf Twitter kommen sekündlich neue Meldungen unter den Hashtags #OEZ, #Muenchen, #Munich rein. Jeder, der in München ist und ein Smartphone hat, teilt sein Wissen. Besser gesagt sein gefährliches Halbwissen. Und in diesem Zusammenhang stimmt „gefährlich“ wirklich. Es werden Gerüchte gestreut. Zweite Schießerei am Stachus. Nein, am Isartor! Alles Quatsch. Meine Mitbewohnerin ruft an. Sie ist in der Innenstadt und hat in einem Shop Unterschlupf gefunden. Sie erzählt mir, die Leute am Stachus seien panisch weggerannt. Massenpanik, obwohl keine Gefahr besteht, wie sich erst eine Stunde danach herausstellen wird.

Die sozialen Medien informieren schnell, zu schnell – überstürzt  Es wird nicht mehr gegengecheckt, nur noch raus mit den Informationen. Das ist sicher edel gemeint, die Leute, die sich am Stachus am Isartor aufhalten müssen schließlich gewarnt sein. Das macht den Polizisten und Einsatzkräften die Arbeit unglaublich schwer, alles muss überprüft werden. Die Münchner Polizei dagegen macht einen großartigen Job auf Twitter. Erst nur auf Deutsch, dann auf Englisch, Französisch, Spanisch und Türkisch informiert sie, was sie bestätigen können, geben Anweisungen, zuhause zu bleiben, keine Fotos oder Videos zu posten, die den Tätern, die vermeintlich noch auf der Flucht sind, in die Hände spielen könnten. Das ist der Polizei hoch anzurechnen. Nicht nur, weil sie damit so viele Menschen wie möglich informiert, sondern auch, weil es zeigt, dass München eine Stadt mit vielen Nationalitäten ist und es kein Angriff auf Deutsche, Deutschland oder den Westen ist, wie es sofort in den sozialen Netzwerken heißt, sondern ein Anschlag auf die Gesellschaft, die Weltstadt München.

Ein Lichtblick in dieser Chaos-Nacht ist auch der Pressesprecher der Münchener Polizei, Marcus da Gloria Martins. Kurz nach halb zehn Uhr tritt er vor die Journalisten, die ihn umkreisen. Mit schwarzumrahmter Brille, ernster Miene und fester Stimme vermittelt er ein Sicherheitsgefühl, die Lage im Griff zu haben und beantwortet alle Fragen der Journalisten souverän und kompetent, auch wenn die Fragen redundant sind und der ein oder andere Journalist von einer Suggestivfrage nicht ablassen kann oder will. Auf solche zu antworten wäre „hochgradig unseriös“. Stimmt!

Manche Medien sind nur auf Sensationsgeilheit aus 

Einige Journalisten und Sender, das muss man an der Stelle auch sagen, haben sich an diesem Abend wirklich disqualifiziert. Etwa CNN, die ernsthaft versucht haben, die einzelnen Läden im OEZ anzurufen, in der Hoffnung, dass sie einen exklusiven Blick der Szenerie bekommen. Das ist vor allem eins: geschmacklos und hat mit seriöser Berichterstattung nichts zu tun, sondern ist schlicht Sensationsgeilheit, mehr nicht.

Andere deutsche Medien konnten es nicht lassen, die nicht bestätigten Gerüchte in den sozialen Netzwerken aufzunehmen und weiterzuverbreiten. Andere Reporter und Korrespondenten dagegen haben einen sehr guten Job gemacht, nichts als Tatsachen verkauft, was nicht bestätigt war. Gut, vielleicht fragt sich der ein oder andere, warum es denn einen sechsstündigen Brennpunkt braucht, bei der die Inhalte redundant werden und die immer gleichen Köpfe sprechen, die auch nicht mehr wissen. Aber vielleicht ist es in so einer Situation wichtig, Menschen vor sich auf dem Schirm zu haben, die mit Seriosität wieder und wieder eine Übersicht der Lage geben, die dort sind, wo wir nicht sein können und uns über Neuigkeiten informieren und irgendwo Menschlichkeit vermitteln, wenn doch kurz Angst und Verzweiflung in ihrem Blick aufblitzt.

Menschlichkeit – ein Aspekt, der in dieser kalten Nacht ein bisschen Wärme gegeben hat

Menschlichkeit. Das war auch so ein wichtiger Aspekt, der in dieser kalten Nacht ein bisschen Wärme gegeben hat. Unter dem Hashtag #offenetür haben Münchner ihre Wohnungen angeboten für Menschen, die draußen auf der Straße herumliefen und nicht nach Hause konnten, weil die öffentlichen Verkehrsmittel den Betrieb eingestellt hatten. Wahrscheinlich haben nur wenige die Aufrufe, die meine Timeline pflasterten, wahrgenommen. Aber darum geht es nicht, sondern um das Zeichen, dass es sendet. Solidarität. Moscheen hatten ihre Türen geöffnet, ebenso wie die Bayerische Staatskanzlei. Du bist nicht allein in dieser schrecklichen Nacht. München steht zusammen. Wir stehen zusammen.

Am Morgen der Horrornacht sind neun Todesopfer bestätigt. Der Täter, ein Deutsch-Iraner hat sich selbst gerichtet. Über das Motiv ist zum Zeitpunkt, da ich diese Zeilen schreibe, noch nichts bekannt – Terroranschlag oder Amoklauf? Sicher ist nur, gestern war München Paris, Brüssel, Nizza … Nichts, womit man an einem lauen Sommerabend mit aufziehenden Wolken denkt.

Wir müssen uns mit der Terrorgefahr arrangieren, uns aber nicht einschüchtern lassen

Jeder von uns hätte am Freitagabend in der Münchner Shopping Mall sein können, jeder von uns hätte damals in Brüssel, in Paris, in Nizza Freunde besuchen, auf einem Business-Trip im Urlaub sein können. Wer von uns ist nicht schon in einer bayerischen Bimmelbahn gesessen, wie in der in Würzburg. Mit der Möglichkeit eines Terroranschlags zu jeder Zeit an jedem Ort müssen wir uns wohl in unserem Alltag arrangieren. Das heißt aber nicht, dass wir uns davon einschüchtern lassen sollten und nicht mehr rausgehen, nicht mehr auf Festivals, in Shopping Malls, auf großen Veranstaltungen gehen sollten. Deshalb sitze ich am Morgen nach dieser schlimmen Nacht mit Freunden in einem Schwabinger Cafe. Es ist alles wie immer, vielleicht ist ein bisschen weniger los auf den Straßen, das Lachen ist nicht so laut, wie sonst. Hin und wieder ist noch das Surren eines Hubschraubers zu hören.

Eine Freundin mit tunesischen Wurzeln berichtet, sie habe gestern einen Tweet bekommen „Geh dahin zurück, wo du her kommst. Die Willkommenskultur ist nach gestern endgültig vorbei!“ „Aber was soll ich denn in Landshut?“ fragt sie. Sie lacht ein bitteres Lachen. Auch am Nachbartisch hört man hinter vorgehaltenem Mund die Worte „Flüchtlinge“, „Multikulti“, „Terror“ „kein Wunder“. Auch wenn über das Motiv, die Hintergründe noch nichts bekannt ist. Allein die Tatsache, dass der Täter Deutsch-Iraner ist, reicht vielen wohl schon aus für Spekulationen. Da wird mir wieder klar, wir müssen in diesen Zeiten aufmerksamer werden. Solche Aussagen nicht einfach so stehen zu lassen und sie quellen lassen, sondern herauszufordern, zu hinterfragen.

Lasst uns das Herz unserer Weltstadt, das sich Freitagabend so warm gezeigt hat, nicht kalt werden!

48 Stunden Europa – Kopenhagen

Kopenhagen – Dänemark

Kopenhagen – Stadt von Premierministerin Brigitte Nyborg, jedenfalls in der Serie Borgen (#fangirl), Smørrebrød und Vintage Hipstern. Das waren jedenfalls die Bilder von Kopenhagen, die mir durch den Kopf schossen als ich endlich meinen ersten Trip nach Skandinavien plante. Aber, Überraschung, Kopenhagen hat viel mehr zu bieten als Drehort einer der besten Serie zu sein und belegte Butterbrote…

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Hinkommen?

Eine Freundin gab mit den Tipp Scandinavian Airlines zu checken. Großartig für Millennials: Bei SAS gibt es Jugend-Tickets – jedenfalls bis 26. (Die Frage, ob man mit 26 noch Jugendlich ist, ist freilich eine andere. Ich würde sagen, ja! Meine Mutter würde sagen, nein). Jetzt kommt das Beste: SAS gehört zur Star Alliance, d.h. an ein paar Flughäfen gibt es schicke Goodies. In München gibt es am Terminal 2 Zeitungen und Kaffee gratis #Paradies. Hätte ich das früher gewusst, wäre ich ungefähr drei Stunden eher gekommen. An dieser Stelle sollte erwähnt sein, dass die Seqways im Terminal NICHT zur freien Verfügung stehen, wie mir die wenig freundlichen Securities mitteilten, nachdem sie mich durch den Terminal gejagt haben. Schade eigentlich.

Rumkommen!

Ja, Kopenhagen ist schweineteuer und öffentliche Verkehrsmittel sind keine Ausnahme. Wenn ihr also nicht laufen oder Rad fahren wollt (fair enough, es ist nämlich auch schweinekalt jedenfalls als ich im Januar da war), holt Euch eine Rejsekort – eine Travelcard, die ihr einfach mit Cash aufladen könnt. Ihr kriegt zwar das Geld für die Karte nicht mehr zurück, wie bei der Oystercard in London, trotzdem spart ihr Euch geschmeidige 30 Prozent. Und, um Gottes Willen, checkt mit Eurer Karten an den blauen Böbbels (ist das ein Wort?) ein und aus, sonst wird ordentlich abgebucht auf Eurem Konto. Hab ich gelegentlich vergessen ein- und auszuchecken – selbstverständlich…

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Dänisches Bettenlager!

Kein Geld für ein schickes Design Hostel in Kopenhagen? Ja, ich auch nicht. Mit ein bisschen Glück findet ihr ein Kopenhagener Sofa, auf dem ihr übernachten könnt. In meinem Fall gehörte das Sofa Julie, 27 und Umweltingenieur.

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Ihren Namen musste ich englisch aussprechen, am Dänischen, einem Wortklang zwischen Vollrausch und betäubten Backen kurz vor der Weisheitszahn-OP, scheiterte ich leider kläglich. Julie ist gerade mit ihrem Freund Jaime, 35, aus Barcelona zusammengezogen. Kennengelernt haben sich die zwei vor ein paar Jahren auf einer Party. Julie konnte es nicht glauben, dass Jaime sie nach ihrer Handynummer fragte. Tatsächlich sind die Herren in Dänemark beim Dating passiv bis komatös unterwegs. Also, Ladies, wenn Euch diese schönen Männer mit blauen Augen, tight skinny Jeans und Flanellhemd (um alle Klischees zu bedienen) nicht ansprechen, müsst ihr wohl selbst den ersten Schritt machen.

Aber zurück zu Julie und Jaime: ich platzte mitten in die Einweihungsparty der beiden im Stadtteil Østerport. Alkohol ist in Dänemark auch verdammt teuer. Für eine Flasche Wein zahlt man locker 15 Euro. Deshalb also Apfelsaftpartys in Kopenhagen? Hell no! Gescheiter ist es aber doch sich seine Drinks beim pre-drikke (pre-drinking) zu gönnnen, als im Club. Bei den Preisen fallen einem nämlich die Augen aus dem Kopf und wie gesagt, die schönen, blauäugigen Flanellhemd-tragenden Dänen werden Euch nicht einladen …

Dansk Chic

Julie und Jaime wohnen also in Østerbro im Osten von Kopenhagen. Was bei der Kleidung der Dänen gilt, geht bei der Einrichtung weiter – keep it trendy! Aber seht selber …

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What to do?

Das ist das Fantastische an Local Guides: Sie zeigen Dir die richtig coolen Spots in der Stadt und du musst nicht von Touristenattraktion zu Touristenattraktion tingeln, die Du eh schon tausend Mal auf Google Images gesehen hast. Der Nachteil, der Local Guide macht es auf seine Art. In meinem Fall zeigt mit Julie die Stadt auf dem Rad trotz Eiseskälte. Julie trägt natürlich nicht mal eine Mütze und radelt jeden Tag 20 Kilometer zur Arbeit und zurück. Ich versuchte wirklich alles in einem Boyfriend Coat* so zu tun, als würde ich überhaupt nicht frieren, aber nach einer halben Stunde fühlte ich mich wie ein Eiszapfen. Die Tortur auf dem Fahrrad war es aber absolut wert

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*Ich kam nach Kopenhagen mit dem Ziel möglichst stylish zu wirken, aber gegen den lässigen Kleidungsstil der Dänen mit ihren knöchellangen Mäntelchen und Unisex-Shirts kann man es nicht wirklich aufnehmen.

DØP – The organic hot dog stand

Neben dem Runden Turm an der Købmagergade steht ein kleiner Würstelstand, der aussieht wie all die anderen in der Innenstadt auch. Aber tatsächlich ist der Stand ein Geheimtipp! Die Würstel sind aus Biofleisch, das Brot aus Vollkorn und selbstgemacht. Dazu gibt es Rote Beete und Wurzelpüree und großartigem Senf. Lækker!
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Paludan Bog & Café

Du wolltest schon immer über einem Buch deinen Burger genießen? Dann ist das Paludan Bog the place to be. In eine alte Bibliothek hat man ein Restaurant integriert. Und das Beste: Die Preise sind eigentlich ganz okay – also für Kopenhagener Verhältnisse …

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Schlemmen auf Papirøen (Paper Island)

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In der Nähe von Christiania, Kopenhagens selbsterklärten unabhängigen Wohnsiedlung und Hash Hotspot (Ganz ehrlich, wie cool ist das bitte? Da ist ein Stadtteil, der sich mal eben unabhängig von der Stadt und dem Land erklärt und seine eigenen Gesetze macht. In Christiania kann man also zum Beispiel einfach einen rauchen, auch wenn es außerhalb verboten ist und die dänischen Behörden dulden die Gemeinde als autonom – Chapo).

Aber ich schweife ab. In der Nähe von Kopenhagens Freistadt also, findet man einen fantastischen Food Market. Gesteckt voll mit kleinen Ständen, kann man hier alles finden – brasilianisches Steak, Sushi, Falafel, afrikanische Spezialität oder eben Smørrebrød. Man weiß gar nicht, wo man anfangen soll. Die Halle liegt auch direkt am Wasser und ist im Sommer ein beliebter Treffpunkt. Im kalten Januar ist der Blick aufs Wasser aber auch ganz nett.

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Halifax

Hallo Burgerfans! Der besten Burgerladen ist laut Julie das Halifax. Das ist zwar eine Kette, bei dem der ein oder andere Burgerpionier die Nase rümpfen mag, aber nicht so schnell. Acht verschiedene Burger – klassisch bis veggie mit Ziegenkäse und Rösti. Unbedingt die Süßkartoffel-Pommes probieren. Bonne bouche!

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Louisiana – Museum of Modern Art

Wir wollen ja unser ganzes Budget nicht nur für Essen und Trinken ausgeben. Zeit für ein bisschen Kultur. Kopenhagen quillt über vor Museum, aber wenn man sich für eins entscheiden muss, dann fürs Louisana Museum, sagt Julie. Tatsächlich liegt das Museum ein bisschen außerhalb von Kopenhagen. Mit dem Zug eine halbe Stunde entfernt. Halb so schlimm – im Zug gibt es WiFi und es lohnt sich den Blick vom Smartphone aus dem Fenster zu richten und surburbian Kopenhagen zu genießen. 10 Minuten muss man von der Haltestation noch durch einen Wohngebiet ziehen – einfach der jutebeutelschwenkenden Hipstermeute folgen und tada: Lousisana Art Museum.

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Das Museum fügt sich mit seinen Bauhauselementen komisch passend in die Natur ein. Es gibt aber auch fancy Elemente, wie einen bunten Durchgang und ein stylisches Café. Aber wir sind natürlich für die Kunst hier … Hauptsächlich moderne und zeitgenössische Kunst gibt es, von ironischen Gemälden über Videoinstallationen. Als ich dort war, gab es die Ausstellung „Eye Attack“ über kinetische Kunst in Skandinavien – also Kunst, die zum Beispiel mit Sinnestäuschungen spielt (Bestimmt auch interessant mit einem Besuch davor in Christiania #justsaying). Tatsächlich heißt es in der Beschreibung, Kunst für die man kein großes kunsthistorisches Vorwissen braucht. Praktisch für uns normale Kunstbegeisterte, beleidigend für den Kunst Snob.

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